COACH IN FOCUS - Thomas Kleine (English version below)
- COACHINSIDE

- Apr 20
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Thomas Kleine war nach seiner aktiven Profikarriere über viele Jahre in unterschiedlichen Trainerrollen tätig und sammelte dabei umfassende Erfahrungen im In- und Ausland. Nach ersten Stationen im Nachwuchsbereich führte ihn sein Weg über mehrere Co-Trainer-Positionen – unter anderem bei Fortuna Düsseldorf, Huddersfield Town und Hannover 96 – bis hin zu verantwortlichen Aufgaben als Cheftrainer, zuletzt bei SpVgg Greuther Fürth und zuvor bei SpVgg Bayreuth.
Im Interview spricht Kleine über die gezielte Förderung junger Talente und deren Integration in den Profifußball, über prägende Einflüsse aus seiner Zusammenarbeit mit erfahrenen Trainern sowie über zentrale Prinzipien seiner Spielidee.
In deiner letzten Station bei der SpVgg Greuther Fürth hast du verstärkt auf junge Spieler gesetzt – unter anderem mit einem hohen Anteil an U23-Spielzeit sowie mehreren Zweitliga-Debüts für Nachwuchsspieler aus dem eigenen Verein. Wie wichtig ist dir die Integration junger Talente in den Profikader, und wie bereitest du sie gezielt auf diesen Schritt vor?
THOMAS KLEINE: Ganz grundsätzlich arbeite ich sehr gerne mit jungen Spielern, schließlich habe ich als Trainer selbst eine NLZ-Vergangenheit. Zweitens bin ich der festen Überzeugung, dass Vereine, die unheimlich viel in ihre Leistungszentren investieren, jungen Spielern aus ihrer U19 oder U23 mit Vertrauen Chancen bei den Profis gewähren sollten. Genügend Potenzial ist ja oftmals vorhanden. Als Profi-Trainer ist es mir wichtig, die jungen Spieler zunächst an die Intensität oben zu gewöhnen, sie mental auf den nächsten Schritt vorzubereiten, sie an das Tempo anzupassen, aber dann auch selbst den Mut zu besitzen, ihnen letztendlich die Chance auf dem Rasen zu geben. Natürlich bleibt es wichtig, eine gesunde Mischung in der Mannschaft zu haben. Gleichzeitig bin ich aber bereit, dem Nachwuchs auch Fehler zuzugestehen, um sich weiterzuentwickeln. Diese Überzeugung halte ich für extrem entscheidend.
Als ehemaliger Profi und langjähriger Co-Trainer im In- und Ausland hast du mit unterschiedlichen Cheftrainern zusammengearbeitet und viele Erfahrungen gesammelt. Welche Trainer haben dich in deiner heutigen Arbeit am meisten geprägt, und welche Elemente aus deren Philosophie hast du in dein eigenes Trainerverständnis übernommen? In welchen Situationen merkst du heute besonders, dass du bewusst auf Erfahrungen aus deiner Spieler- oder Co-Trainerzeit zurückgreifst?
THOMAS KLEINE: Als junger Spieler in Leverkusen hatte Peter Hermann einen besonders großen Einfluss auf mich: Ein Trainer mit der Leidenschaft, jeden seiner Spieler besser zu machen und dafür selbst alles zu investieren. Später als Co-Trainer bei Fortuna Düsseldorf habe ich sehr lange mit Friedhelm Funkel zusammengearbeitet, von dem ich aufnahm, auch in schwierigen Phasen unbedingt die Ruhe zu bewahren. Auch die Zusammenarbeit mit André Breitenreiter in England war prägend: Hier musstest du dich als Trainer in einem völlig neuen Umfeld schnell zurechtfinden. Schon als Spieler wusste ich, dass ich später Trainer werden wollen würde: Ich habe in meinen letzten Jahren als Profi deshalb bereits Trainerlizenzen erworben, und als langjähriger Kapitän oft als rechte Hand meiner Trainer fungiert. All diese Erfahrung fließt heute in meine Arbeit ein: Einen kühler Kopf zu bewahren, seinen Prinzipien treu zu bleiben, selbstbewusst und überzeugt vom festgelegten Plan zu sein und diesen der Mannschaft zu vermitteln.
Wie soll der Fußball deiner Mannschaft im Idealfall aussehen – sowohl für Zuschauer als auch im Sinne deiner eigenen sportlichen Vorstellung? Welche Prinzipien müssen immer erkennbar sein, damit du sagen kannst: „Das ist mein Fußball“, unabhängig vom Ergebnis oder Gegner?
THOMAS KLEINE: Ich möchte stets eine Mannschaft sehen, die in der Defensive aktiv gegen den Ball arbeitet, unabhängig ob es hohes Pressing ist oder tiefes Verteidigen. Beim tiefen Verteidigen lege ich Wert darauf, schnell in ein gezieltes direktes Umschaltspiel zu kommen. Das sind Prinzipien, die ich auch in jeder einzelnen Trainingswoche sehen möchte. Mit Ball ist es mir wichtig, dass meine Mannschaft mutig ist, sie versucht, Fußball zu spielen, im letzten Drittel ständig nach Lösungen sucht und es der gegnerischen Abwehr schwer macht, organisiert zu bleiben. Flexibel mit Ball zu agieren, ist ebenfalls Teil meiner täglichen Trainingsarbeit. Und um noch einmal auf die Jugendspieler zurückzukommen: Ich möchte auch Spieler, die unberechenbar sind. Die mutig in 1:1-Situationen gehen und die das Selbstvertrauen besitzen, viermal den Ball zu verlieren und dann beim fünften oder sechsten Versuch plötzlich eine gefährliche Chance kreieren.
Vielen Dank, Thomas, für deine Zeit!
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Thomas Kleine worked in a variety of coaching roles for many years following his professional playing career, gaining extensive experience both domestically and internationally. After initial positions in youth development, his path led him through several assistant coaching roles—among others at Fortuna Düsseldorf, Huddersfield Town, and Hannover 96—before taking on responsibilities as a head coach, most recently at SpVgg Greuther Fürth and previously at SpVgg Bayreuth.
In this interview, Kleine talks about the targeted development of young talents and their integration into professional football, the key influences from working with experienced coaches, and the core principles of his football philosophy.
In your most recent role at SpVgg Greuther Fürth, you placed a strong emphasis on young players—including a high proportion of U23 playing time and several second-division debuts for academy players. How important is the integration of young talents into the professional squad for you, and how do you prepare them specifically for this step?
THOMAS KLEINE: Fundamentally, I really enjoy working with young players - after all, I have a background in academy football myself. Secondly, I firmly believe that clubs investing heavily in their development centers should trust their U19 or U23 players and give them opportunities at the professional level. There is often plenty of potential available. As a professional coach, it is important to me to first help young players adapt to the intensity at the top level, prepare them mentally for the next step, and adjust them to the speed of the game. At the same time, it also requires the courage to actually give them that opportunity on the pitch. Of course, it remains important to maintain a healthy balance within the squad. But I am also willing to allow young players to make mistakes as part of their development. I consider this belief to be absolutely crucial.
As a former professional and long-time assistant coach both in Germany and abroad, you have worked with a range of head coaches and gained valuable experience. Which coaches have influenced your work the most, and which elements of their philosophy have you incorporated into your own coaching approach? In which situations do you particularly notice yourself drawing on your experiences as a player or assistant coach?
THOMAS KLEINE: As a young player in Leverkusen, Peter Hermann had a particularly strong influence on me - a coach with the passion to improve every single player and who was willing to invest everything himself. Later, as an assistant coach at Fortuna Düsseldorf, I worked for a long time with Friedhelm Funkel, from whom I learned the importance of staying calm even during difficult phases. My collaboration with André Breitenreiter in England was also formative: as a coach, you had to quickly adapt to a completely new environment. Even as a player, I knew I wanted to become a coach later on. In my final years as a professional, I therefore already obtained coaching licenses and, as a long-time captain, often acted as the right-hand man to my coaches. All of these experiences shape my work today: keeping a cool head, staying true to your principles, being confident and convinced of your plan, and communicating it clearly to the team.
Ideally, what should your team’s football look like—for both spectators and in terms of your own sporting vision? What principles must always be recognizable for you to say: “This is my football,” regardless of the result or the opponent?
THOMAS KLEINE: I always want to see a team that works actively against the ball in defense - regardless of whether it is high pressing or deep defending. When defending deep, I place great importance on transitioning quickly into a purposeful, direct counterattacking game. These are principles I want to see in every single training week. With the ball, it is important to me that my team is brave, tries to play football, constantly looks for solutions in the final third, and makes it difficult for the opposing defense to stay organized. Acting flexibly in possession is also part of my daily training work. And to come back to young players: I also want players who are unpredictable - who are willing to take on 1v1 situations with courage and have the confidence to lose the ball four times, only to suddenly create a dangerous chance on the fifth or sixth attempt.
Thank you very much for your time, Thomas!




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